Werner und Madi mit dem Rad in der NormandieMontag 4. August bis Mittwoch 13. August 2008
Der Entscheid in der Normandie eine Radtour zu machen fiel schon im Sommer 2007. Doch der Sommer 2008 hat uns fast einen Strich durch die Rechnung gemacht, mussten wir doch lange warten bis sich stabiles Hochdruckwetter ankündigte.

Weil bei der französischen Bahn (SNCF) die Fahrradmitnahme problematisch ist sind wir mit dem Auto nach Rouen gefahren. Das Auto haben wir in einem bewachten Parkhaus eingestellt. Die SNCF-Info im Bahnhof sagte dass die Fahrradmitnahme nur bis Caen möglich sei, wir wollen aber nach Cherbourg. Die Info im Internet- Fahrplan aber lautete: Weiterfahrt nach Cherbourg mit 2.40 h Aufenthalt möglich. Also los nach Caen. Kaum ausgestiegen braust ein Zug mit zwei!! (leeren) Fahr-radabteilen in jedem Wagen in den Bahnhof. Ein Schaffner erlaubt uns, den eigentlich nicht für Fahrräder vorgesehenen Zug, zu besteigen. So sind wir nach zwei Reisetagen schon früh in Cherbourg und finden im fast ausgebuchten Ort, es ist eine Segelregatta, ein Zimmer. Am nächsten Tag starten wir westwärts unsere Tour auf der ziemlich ruhigen Küstenstrasse Richtung Leuchtturm am Pointe de Barfleur. Für uns Binnenländer ist ein Leuchtturm allemal sehenswert. Nun geht es in südlicher Richtung entlang der Invasionsküste.

Der Verkehr nimmt deutlich zu. Das Wetter und der Wind meinen es gut mit uns. Angesicht der vielen Touristen reservieren wir von nun an, sobald absehbar ist wie weit wir an diesem Tag fahren, unsere Unterkunft. Zudem ist in Frankreich Urlaubszeit. So können wir ruhig die 82 Tageskilometer bis Ste-Mère-Église (etwas landeinwärts) hinter uns bringen. Damals ist ein Fallschirmspringer am Kirchturm hängen geblieben und hat deshalb überlebt. Sehr viele Touristen besuchen den Ort, denn heute hängt eine Puppe samt Fallschirm am Kirchturm. Wie jeden Tag kaufen wir Proviant für den Tag ein und fahren zeitig los. Wieder auf der Küstenstrasse kommen wir an die beeindruckende Utah Beach. Ein grosser, noch leerer Parkplatz, zeigt dass das dortige Museum stark besucht wird. In südwestlicher Richtung kämpfen wir während 12 km auf einer einsamen Nebenstrasse bis Carentan gegen den heftigen Gegenwind. Wieder ostwärts fahrend hilft uns ein leichter Schiebewind. Etwas abseits der Küstenstrasse besuchen wir bei La Cambe einen deutschen Soldatenfriedhof wo 21'139 Soldaten begraben sind.

Die Grösse aber auch die Schlichtheit der Gedenkstätte macht uns nachdenklich. Wieder Richtung Küstenstrasse verfahren wir uns. Ein heftiges Gewitter überstehen wir, ohne stark nass zu werden, auf der Leeseite eines Hauses. Einen Unterstand zu finden ist nicht möglich, sind doch die wenigen Häuser gut eingezäunt. Bei Pointe du Hoc ist das Gelände so belassen wie es nach der Landung aussah. Unvorstellbar wie es damals war. Mit 90 km in den Beinen geniessen wir nach der Ankunft im Hotel unser wohlverdientes Bier. Da kein sicherer gedeckter Unter-stand für die Räder zur Verfügung steht nehmen wir diese, weil Regen droht, in unser Zimmer. Tagwache: es regnet. Doch nach dem Frühstück sind die himmlischen Schleusen geschlossen und wir starten für weitere 77 km Richtung Omaha Beach.

Der U.S. Soldatenfriedhof bei St-Laurent-s-Mer ist sehr monumental und scheint grösser obwohl hier, nebst 1'557 aufgelisteten Vermissten, "nur" 9'387 Soldaten beigesetzt sind. Wahnsinn!! Immer auf der Küstenstrasse Richtung Arromanches-les-Bains besuchen wir eine noch erhaltene dt. Batterie. Ein Film im Kino mit einer 360º Leinwand aus früherer, damaliger und heutiger Zeit ist sehr interessant. Am Aus-gang sehen wir alles nur ernste Gesichter. Mit zunehmendem Verkehr geht es entlang von Gold Beach, Juno Beach, Sword Beach nach Cabourg. Nun haben wir die historische Küste hinter uns. Wir meiden die viel befahrene Hauptstrasse und fahren bis Deauville durch das schöne mit vielen Reiterhöfen besiedelte Hinter-land. Honfleur erreichen wir auf der Küstenstrasse die für Camper und LKW gesperrt ist. Es ist Samstag. Der wunderschöne Ort ist von Touristen über-schwemmt. Ein Zimmer zu finden ist unmöglich. Wir reservieren ein Zimmer in Le Havre. Zum Glück ist Samstag. Über den Pont de Normandie und einige Kilometer durch das Hafengebiet, an Werktagen ist da sicher ein immenser Verkehr, gelangen wir ins Zentrum. Le Havre ist eigentlich keine schöne Stadt. Die Bauten sind richtige Betonorgien. Das ist sogenannte Stalinarchitektur. Bei einem Italiener geniessen wir wieder einmal ein super Nachtessen, wurden wir doch bisher nicht verwöhnt. Von nun an geht es Richtung Nordosten. Ohne Stadtplan ist die Ausfahrt aus der Stadt nicht ganz einfach. Es ist Sonntag und somit auf der Hauptstrasse kaum Verkehr.

Wir folgen teilweise dem ausgeschilderten Normandie-RW der angeblich bis Calais führen soll. Die Strassen sind immer 100 bis 120 m ü. M. Die Küstenorte auf Meereshöhe. So wird die Fahrt richtiggehend zum Küstenritt ( wie bei PBT auf Mallorca) d. h. ständig steile Aufstiege und Abfahrten. Die felsigen Klippen, ähnlich denen von Dover, sind sehr imposant. In Veulettes-s-Mer ist das Hotel noch in Renovation, der Preis jedoch "fertig renoviert". Leider ist nichts anderes frei. Am andern Morgen fällt Regen. Trotzdem packen wir unsere Drahtesel. Während wir überlegen was für Regenbekleidung wir anziehen sollen hat Petrus erbarmen und dreht den Wasserhahn zu. Ein Wetterumschwung bahnt sich an. Darum ändern wir in Dieppe unseren Plan und fahre nicht weiter entlang der Küste sondern nach Südosten ins Landesinnere. Bis Neufchâtel-en-Bray ist eine ehemalige Bahnlinie zu einem Radweg, der AVENUE VERTE, ausgebaut worden. Das ist ein Teilstück des noch zu bauenden Fernradweges London-Paris.

In der Nacht regnet es stark dazu bläst ein stürmischer Wind. Eigentlich wollen wir Richtung Paris. Doch wir hätten nichts als stürmischen Gegenwind und Regen. Abermals ändern wir unseren Plan, brechen die Tour ab und fahren zurück nach Dieppe. Dabei pustet uns der Seitenwind oft fast vom Radweg. Dieppe-Rouen fahren wir mit der Bahn. In Rouen herrscht bei starkem Wind schönes warmes Wetter. Darum wollen wir am nächsten Tag entlang der Seine Richtung Paris fahren und zwar nur so weit wie es Wind und Wetter zulassen. Den Rückweg planen wir mit der Bahn. Dach nach Studium des Fahrplanes lassen wir die Idee fallen. Denn trotz vielen Zügen ist die Rückfahrt mit Fahrradmitnahme ab allen Bahnhöfen erst gegen Abend möglich, was uns angesichts der Wetterlage zu riskant ist. So holen wir am nächste Morgen das Auto im Parkhaus. Widerwillig bezahlen wir deutlich mehr als uns bei der Einfahrt vom Personal gesagt wurde. Wieder einmal eine falsche Information. So fahren wir mit dem Auto via Chartres, wo wir die berühmte Kathedrale besichtigen, nach Hause. Den Wetterumschwung bekommen wir in Form von starken Windböen und heftigen Regengüssen zu spüren.
Einige AngabenDas Wetter war am Morgen meistens bedeckt und kühl. Am Nachmittag teils bewölkt mit etwas Sonne aber oft mit kühlem Wind aus wechselnder Richtung. Wolkenlos war es nie.
- 3 Reisetage mit Auto und Bahn
- 529 km mit dem Rad
- 7 Etappen
- 29 Stunden 11 Minuten den Sattel gedrückt
- 75,57 km Tagesdurchschnitt
- 17,9 kmh Generaldurchschnitt
- keine Panne
- manchen Liter Wasser und Bier getrunken
- nie den Spass verloren (ausser beim Abbruch der Tour)
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