Infoletter 63 (12.05.06)
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Der Millionen-Mann


Biggi und Beat Gfeller - auch ihre Beziehung ist eine Ausdauerleistung der besonderen Art.

Liebe Radfahrerin, lieber Radfahrer,

Beat Gfeller - der unsportliche, den keiner haben will. Wenn es darum geht, eine Mannschaft in der Schule zusammenzustellen, wird der junge Schweizer immer zuletzt ausgewählt, weil er so schlecht ist.

Das ist gut 45 Jahre her - heute ist er Sportdirektor bei Philipp's Bike Team, wo er im Jahr 2000 nach 35 Dienstjahren bei der Post anheuerte. Hier ist er verantwortlich für alles Sportliche, stellt das Team zusammen, hält Vorträge. Kurz: ein Vorbild mit einer ziemlich einzigartigen Karriere, die ihm allerdings nicht in die Wiege gelegt wurde.

Als er 1946 in Huttwil (Kanton Bern) geboren wurde, musste sein Leben mit einer schweren Operation gerettet werden. Danach kränkelte er praktisch ständig, "ich konnte deshalb nicht mal regelmäßig zur Schule gehen", erinnert er sich.

Mit 15 überstand er Scharlach, dann ging er auf ein Knabeninstitut nach Montreux, um verlorenen Unterrichtsstoff nachzuholen. Plötzlich entdeckte er den Sport, "trainierte wie ein Verrückter". Zunächst Tennis ("vielleicht hätte ich Profi werden sollen"), dann, weil es zu jener Zeit ein elitärer Sport war, Leichtathletik. Er war ein Spitzen-Junior, doch den Eifer im Training büßte er mit einer Knochenhautentzündung. Die Ärzte empfahlen das Fahrrad als Ausgleich, "daran hatte ich gleich Freude," erzählt der mit vor Schalk blitzenden Augen, "weil ich es toll fand, dass man beim Sport noch sitzen kann".

1968 setzte er dann voll auf den Radsport, trat dem Veloclub Hirslanden in Zürich bei. Seinen ersten Renneinsatz hatte er im selben Jahr im Tessin. Vor Aufregung konnte er die ganze Nacht nicht schlafen. Frau Holle auch nicht - wegen Schnees musste das Rennen abgesagt werden!

Gfeller fuhr nicht nur Rad. Nach seiner Lehre bei der Post arbeitete er in La Chaux de Fonds, 1100 Meter über dem Meer, wo er den Skilanglauf entdeckte. Später, beim Militär, holte er 1973 mit gerade mal 300 Trainingskilometern den Divisionstitel im Biathlon, immerhin gegen ein Mitglied der Nationalmannschaft. "Der fuhr zwar schneller Ski, traf aber nicht so gut", so die einfache Erklärung. Zehn Jahre blieb er Skilehrer beim Militär (wo er übrigens bis zum Kompaniekommandanten der Versorgung, Abteilung Feldpost 62 in Zürich aufstieg).

Während der ganzen Zeit fuhr er immer viel Rad - in die Militärschule etwa rückte er mit dem Rennvelo ein, um 5:45 Uhr fuhr trainierte er für zwei Stunden. Das beeindruckte den Kommandeur derart, dass er ihm erlaubte, alle Strecken mit dem Rad zurückzulegen. So fuhr Beat etwa zu Schießübungen auf zwei Rädern. Er nahm überhaupt fast immer das Rad, etwa von einer Schulung in Magglingen (Biel) etwa 160 Kilometer nach Hause nach Zürich - "den Koffer habe ich per Post geschickt, ich bin um 4:30 Uhr los". Sogar zu vielen Rennen fuhr er mit dem Rad. 130 Kilometer zum Bergrennen Rheintal, Massenstart, dann als einer der 30 Besten noch ein Einzelzeitfahren, und wieder 130 Kilometer zurück. Freilich gibt er zu: "Nicht alles war gut überlegt."

15 Jahre lang fuhr er immer mit dem Rad zur Arbeit, 20 Kilometer hin, und meistens mit einer Zusatzschleife zurück. Im Sommer und im Winter. "Nur so kommt man auf eine Million Kilometer", sagt er. Die Siebenstellige Zahl will er vor dem 65. Geburtstag erreichen, "mit der offiziellen Pensionsgrenze", alles andere wäre schließlich keine Leistung, denn "wenn ich bis 70 gesund bleibe, schaffe ich das so oder so." Auf dem Kilometerzähler stehen aktuell knapp 860.000

Mit diesem Trainingspensum muss Beat Pokale en masse in der Vitrine haben, oder? "Ich hatte zwar schöne Erfolge als Senior", erklärt er, "war aber in erster Linie ein guter Zeit- und Bergfahrer". Im Rennen mit Massenstart habe er sich dagegen immer gewundert, warum er eine ganze Meute am Hinterrad hatte, obwohl er doch gefahren sei wie der Teufel. 1987 wurde er Vizeweltmeister im Zeitfahren der Senioren, 1988 noch mal Dritter. "Von Rennen hatte ich dann die Nase voll, das war viel Aufwand für wenig, schließlich wollte ich Rad fahren."

So kam die Idee auf längeren Strecken zu fahren, "da war noch Fleisch am Knochen". 1989 fuhr er erstmals Paris-Bern, eine 570 Kilometer lange Strecke. 50 waren am Start, so Beat, bis Kilometer 430 fuhr er in der Spitzengruppe, dann gab er Gas und fuhr alleine durchs Ziel. 1992 wiederholte er seinen Sieg. 1997 regnete es, nach dem Startschuss "nahm ich den Kopf runter, fuhr von Anfang an alleine und kam mit einer Stunde Vorsprung ins Ziel." Eigentlich wollte er danach noch nach Zürich radeln, aber es war doch zu kalt.

Außerdem befand er sich schon mitten im Training für das Race across America, das legendäre Langstreckenrennen über gut 5000 Kilometer. Im TV hatte er einen Bericht gesehen, der ihn sofort fesselte. 1990 nahm er an einem Qualifikationrennen teil - 315 Kilometer, dass schien locker machbar. "Nur hatte ich übersehen, dass man die Strecke dreimal fahren musste." Von 18 gemeldeten Fahrern gingen zwölf an den Start, zwei kamen an - darunter Beat, der damit qualifiziert war.

Zunächst musste er einen Bandscheibenvorfall und eine Operation überwinden, bevor er sich auf das große Abenteuer einlassen konnte. 1992 musste er 300 Kilometer vor dem Ziel aufgeben, die Nackenmuskulatur hatte ihren Dienst aufgegeben. "Ich stütze den Kopf auf die Hand, legte ihn auf den Lenker, nur um weiterzukommen", berichtet er von der Tortur. Dann kam eine Helferin auf die Idee, den Kopf mit einem Gegengewicht in Form einer Wasserflasche zu stabilisieren. "So bin ich immerhin 700 Kilometer gefahren, aber mehr ging einfach nicht, zumal das Zeitlimit überschritten war."

Im Jahr darauf erlitt er dasselbe Schicksal nach 2500 Kilometern erneut, trotz Spezialtraining für die Nackenmuskulatur. Nach drei Tagen Dauerregen schüttelten ihn Fieberschübe, die stabilisierende Gipsmanschette half auch nicht. In jenem Jahr kamen überhaupt nur vier Fahrer ins Ziel. 1994 widmete er dann ausschließlich dem Training, um ein Jahr darauf noch mal anzugreifen. Der damals 49jährige schaffte die genau 2912 Meilen von Irvine, Kalifornien nach Savannah, Georgia in genau zehn Tagen, 13 Stunden und 28 Minuten, wurde Siebter.

Danach hatte "ich erst mal die Schnauze voll", dann kam die Idee, schneller zu fahren und ein Sponsor. 1997 dann der nächste Versuch. Beat erlitt einen Zusammenbruch, mit der Bestzeit wurde es nichts - aber er quälte sich bis ins Ziel.

Nie wieder, sagte er damals. Wirklich? "Na ja", sagt er mit einem Blick auf seine Frau Biggi, zur Zeit im Radurlaub auf Mallorca und "nebenbei" Team-Guide bei den Genießern, "eigentlich ist es ja pervers, jetzt, wo ich praktisch Radprofi bin, keinen neuen Versuch zu unternehmen". Noch niemand ist in allen drei Altersklassen (bis 50, bis 60, über 60) ins Ziel gekommen. Das würde ihn also doch noch reizen. "Auf dem Tandem mit dir!", spornt er Biggi an - die lachend abwinkt.

Was überhaupt nichts heißen muss. Die beiden lernten sich 1982 auf der Arbeit kennen, hatten auch ein Techtelmechtel. Doch die jeweiligen Partner setzten sich durch, Biggi machte Schluss, bis es 1993 wieder einen Kontakt gab. Sie wollte einen beruflichen Rat, er lud auf einen Kaffee ein. Der hatte Folgen, zunächst weitere Kaffees, dann zog man zusammen und heiratete. Das Ehepaar Gfeller hat also einen langen Atem - für das Race across America würde es dicke reichen.




Nach 16 Jahren, in denen er meist krank war, entdeckt Beat den Sport - und trainierte wie wild. Hier läuft er Cross - noch mit Brille.

Eigentlich hat sich der Crack seit 1973 nicht verändert: Immer mit Fahrrad, immer lachend.

Auch 1983 gab es für spezielle Bedürfnisse spezielle Kleidung. Fürs Einzelzeitfahren zum Beispiel eine Wurstpelle. Bis heute macht es Beat auch nichts aus, im Regen zu fahren. "Das bringt Härte", so sein lapidarer Kommentar.

Beim Race Across America hat Beat viermal teilgenommen (das Foto zeigt ihn 1992), zweimal hat er die Distanz von etwa 3000 Meilen (gut 5000 Kilometer) von West nach Ost durch den Kontinent geschafft.


Lange Strecken schrecken Beat nicht. Sein Motto: Kopf runter und fahren!

Jubel am Ziel - die Kraft reicht sogar noch für eine Vorführung.

So viel Humor Beat auch haben mag - wenn er nicht genug Kuchen bekommt, versteht er keinen Spaß.

Beat als Gruppenleiter, meist bei den Haien, in der Regel vorneweg, und immer auf besonderen Wegen, ob auf Mallorca oder bei den Fernfahrten. In diesem Jahr neu von Paris nach Nizza, oder in bewährter Weise von Basel nach Mallorca.

Wer Beats Vorbild folgen möchte, kann dies in den Radferien bei Philipp's Bike Team tun. Philipp ist es 2001 gelungen, diese geballte Radsporterfahrung für sein Team zu gewinnen und Beat als Sportdirektor unter Vertrag zu nehmen. Hier ist er für alles verantwortlich, was sich auf zwei Rädern bewegt. Wer Beat "verfolgen" will, muss dies in der Regel bei den Haien tun. Wer dafür noch trainieren muss, findet andere Gruppenleiter, deren Geschichte wir bei Gelegenheit mal erzählen. Ihr könnt sie aber auch selber fragen - bei der Ausfahrt oder bei einem Glas Wein in der Chaval-Bar direkt am Meer.

Darauf freut sich

Euer Michael

(Das Philipp's Bike Team freut sich immer über Eure Post - mailt an team@radferien-mallorca.com)

Alle Mallorca-Fotos sowie Bilder der Pyrenäen-Rundfahrt und der Fernfahrt Basel-Mallorca findet Ihr hier.


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Beat Gfeller: 1/9410603, E-Mail: beat.gfeller@bluewin.ch

Mallorca:

Tel.: 0034 670 222 555 - Fax: 0034 971 232 979


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