|
Liebe Radfahrerin, lieber Radfahrer,
Jedes Jahr um diese Zeit geht es um dieselbe Frage: Wie halte ich mich als Freizeitsportler über den Winter fit, wenn Kälte, Regen, Eis, Schnee und mangelndes Tageslicht unseren Lieblingssport schwierig bis unmöglich machen? Schließlich will man ja nicht im Frühjahr mit dem Radtraining wieder bei null anfangen.
Die gute Nachricht: Man kann auch im Winter Radfahren. Mein Sportchef Beat macht es vor, seine gute Form, wenn die Saison auf Mallorca beginnt, ist also keine Zauberei. Die schlechte Nachricht: Man kann auch bei gutem Wetter auf der faulen Haut liegen, meine Selbstversuche in dieser Hinsicht verlaufen seit einiger Zeit ausgesprochen erfolgreich. Sport und Fitness ist keine Frage des Wetters, sondern der Motivation. Wer's noch nicht weiß: Bei Philipp's Bike Team könnt ihr natürlich das ganze Jahr über Fahrrad fahren, auf Mallorca ist das Wetter auch zwischen Oktober und Februar (meist) ideal für unseren Sport.
Rad fahren ist zwar eine Individualsportart, macht aber in der Gruppe viel mehr Spaß. Wer bei uns schon einmal Radsportferien verbracht hat, weiß, wovon ich rede. Viele Radclubs organisieren auch in der ungemütlichen Jahreszeit Touren, zu denen auch Nicht-Mitglieder willkommen sind. Infos gibt es normalerweise in der Lokalzeitung, ansonsten muss man ein bisschen herumtelefonieren. Man kann sich aber auch einfach mit seinen Kumpels verabreden. Klar, wenn es um fünf dunkel wird, und nur am Wochenende Zeit ist, werden es nicht mehr als ein Drittel der Kilometer, die man im Sommer schafft. Aber das ist deutlich besser als nichts!
Dann gibt es die berühmt-berüchtigte Rolle. Steht meist im Keller, und damit es nicht ganz so rammdösig wird, mit einem Fernseher davor. Auch wenn es im Keller selten schön ist, so lässt sich dort unabhängig von Witterung und Tageslicht trainieren. Man muss nur wollen (siehe oben). Grundsätzlich gilt beim Rollentraining: Die freie Rolle ist besser als eine, bei der das Rad befestigt ist. Die erhöhte Konzentration, die nötig ist, steigert auch den Trainingseffekt. Aus dem gleichen Grund ist jede Ablenkung auch nachteilig: Wer beim Training fernsieht, trainiert weniger effektiv. Davon sollte man sich aber nicht irre machen lassen. Denn wer beim TV nicht auf der Rolle fährt, hat garantiert den geringsten Trainingseffekt. Aber eben Vorsicht . Erst jüngst hat einer meiner Team-Leader einen klassischen Abgang gemacht. Nebst hässlichen schwarzen Bremsspuren auf dem Teppich war nach einem klassischen Überschlag Endstation in der Badewanne, mit anschließendem Besuch beim Gipser, um den gebrochenen Arm zu versorgen. Das muss nicht sein. (Den Namen geben wir hier nicht preis, aber sein Alias "der Showman" kommt natürlich nicht von ungefähr.)
Wenn die Rolle schreckt - und das kann ich sehr gut nachvollziehen - dann gibt es noch das klassische Fitnessprogramm. Joggen - zwei bis dreimal pro Woche jeweils eine halbe Stunde - danach ein kleines Gymnastikprogramm - wirken wahre Wunder. Wir sehen das in jedem Frühjahr auf Mallorca. Da steigen Gäste aufs Rad, die vorher monatelang nicht im Sattel gesessen hatten. Trotzdem können sie in den ersten Tagen problemlos bei den Genießern fahren, am Ende der ersten Woche meist sogar bei den Rollern. Die Grundkondition stimmt, die Muskulatur muss sich "nur noch" auf das Rad umstellen. Wer nicht joggen mag, geht schwimmen, macht Aerobic, Spinning, Hallenfußball oder, wenn denn mal Schnee liegt, Skilanglauf - der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Nur bewegen muss man sich.
Womit wir wieder beim Thema Motivation wären. Der Körper schaltet im Winter ganz automatisch einen Gang zurück. Sich aufzuraffen ist also noch schwerer, gleichzeitig gibt es so viele Ausreden wie nie. Also müssen Ziele her: Wer sich etwas vornimmt, zum Beispiel die Fernfahrt Paris-Nizza, hat eine schöne Sache vor Augen, für die es sich lohnt, auch im Winter Sport zu treiben, selbst wenn Couch und Weihnachtskekse locken. Regelmäßigkeit macht die Motivation leichter. Wenn man immer am Samstag um 11 Uhr mit den Velo-Freunden Sport treibt, treibt man eben immer am Samstag um 11 Uhr mit den Velo-Freunden Sport. Wenn man sich immer erst am Freitag zusammentelefonieren muss - Ihr habt es schon erraten: benutzt man nur vielfältige Ausreden.
Für junge Radrennfahrer, die noch Weltmeister werden wollen gelten freilich andere Regeln. Hier ist gezielte Vorbereitung auf die neue Saison ein absolutes Muss. Darüber mehr von Beat selbst im nächsten Infoletter.
Jetzt habe ich Euch mal wieder den perfekten Beweis geliefert, dass man die Theorie beherrschen und trotzdem ein fauler Sack sein kann. Deswegen der letzte Tipp an dieser Stelle: Verkündet Eure Ziele öffentlich! Bevor man sich als Brägel bezeichnen lässt, weil man doch wieder nur eine oder gar zwei Gruppen tiefer herumeiert, als man sich vorgenommen hatte oder die Fernfahrt doch nicht mitmacht, geht man lieber zum Training.
Deshalb freue ich mich besonders auf meinen neuen Geschäftsführer Michael. Ich kenne ihn schon seit Jahren, im Januar steigt er beim Philipp's Bike Team ein. Dann heißt es auch für mich wieder öfter "back to the Roots" oder rauf auf den Sattel.
Wir sehen uns spätestens im nächsten Jahr mit dem Rad auf Mallorca - und zwar motivierter den je!
Bis dahin,
Euer Philipp
|
 Ein Mallorca Klischee mit Atmoshpäre. Ich radle immer wieder gerne dran vorbei....



Magische Anziehungskraft. Der Soller Pass mit Blick ins Insel Innere.


Michael Blum, z.Zt. noch stellvertretender Chefredakteur beim Mallorca Magazin, ab 1.1.2006 Geschäftsführer beim PBT, hier abgebildet mit dem Bild seiner Kolumne (MM 47/2005) "unverblumt". Michael wird sich in Zukunft voll für die Belange der Radfahrer auf Mallorca stark machen.
|