Infoletter 55 (23.11.05)
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Doping oder Functional Food


Die erste Radsportferienwoche im Februar beim Philipp's Bike Team ist immer besonders spannend: Da zeigen sich die Profis erstmals in der laufenden Saison bei einem Rennen, der Vuelta a Mallorca. Hier der Wimpernschlag-Sieg von Alain Davis (Liberty Seguros) vor Erik Zabel, als die Welt noch in Ordnung war.

Liebe Radfahrerin, lieber Radfahrer,

wir fahren nur zum Spaß Fahrrad, aber geben wir es ruhig zu: Am Berg kommen wir schon gerne als Erster an. Einmal die ganze Gruppe so fliegen lassen wie die Profis, das wär's doch mal!

Schaut man auf die aktuellen Meldungen aus dem Lager der Berufsfahrer, könnte manch einem eine Idee kommen: Vuelta-Sieger Roberto Heras mit positiver A-Probe, Ex-Gerolsteiner-Sprinter Danilo Hondo kurz vor der Berufungsverhandlung, David Millars Sperre läuft am 28. Juni aus, der Australier hofft auf einen Tour-Start, die Lance-Armstrong-Nachhilfe ist auch noch in aller Munde: Doping, wo man nur hinschaut. Warum also nicht selber mal ein Zaubermittel ausprobieren, schließlich gibt's beim privaten Bergrennen keine Doping-Probe?

Die meisten Radler sind zwar verrückt, aber nicht wahnsinnig. So lassen sie die Finger weg von der möglicherweise gesundheitsgefährdenden Chemie. Aber Nahrungsergänzungsmittel, um das Potential zu steigern, das könnte doch klappen. Beat Gfeller, mein sportlicher Leiter im Philipp's Bike Team und Race-Across-America-Finisher, macht uns auf diesem Gebiet allerdings wenig Hoffnung: Einmal mehr höre ich die sattsam bekannte Binsenwahrheit: "Seriöses Leben und tägliches Training wird von keinem Nahrungsergänzungsmittel ersetzt." Eine ganz bittere Pille für diejenigen unter uns, die aus beruflichen oder familiären Gründen maximal zwei Mal pro Woche in den Sattel steigen können oder das Thermometer gerade mal wieder ein paar Grad zu wenig anzeigt.

Trotz der weithin bekannten Kuchenorgien von Beat lässt er uns bei freier Fahrt am Berg noch viel älter aussehen als er selber in der Tat schon ist. Er fährt im Jahr über 30.000 km, und zwar bei jeder Witterung, dabei trinkt er meist nur Wasser. Er isst, was ihm schmeckt, achtet dabei aber immer auf Vielfalt und Ausgewogenheit. Also keine isotonischen Getränke oder Functional Food. So ist der mittlerweile 59jährige Haudegen besser drauf als die meisten von uns. Unser Experte in Sachen Ernährung schränkt allerdings ein, dass die Meinungen weit auseinander gehen: "Schließlich können weder ich noch die Wissenschaftler nachhaltig beweisen, ob ich mit Isostar, Gels oder Pülverchen nicht noch einen Zahn besser wäre."

Einmal mehr sind wir in Sachen Radsport einer Meinung. Wie meistens im Leben hilft auch bei der Ernährung des Radsportlers nur gesunder Menschenverstand. "Was ist besser, ein Kilo Bananen oder Pillen, die die Inhaltsstoffe von einem Kilo Bananen haben?", so die rhetorische Frage des 1,92 Meter langen und gerade mal 77 Kilogramm schweren Urgesteins der Zunft der Pedalritter.

Schließlich steckt in der Frucht noch viel mehr, was dem Körper gut tut, und als in die Pillen je hineinpasst. Aber auch mit natürlichen Lebensmitteln kann man sich schaden: "Zwei Kilo Apfelsinen auf einen Schlag sind sicher auch nicht gesund, und Red Bull ist sowieso an der Grenze zum Doping." Aber wer hat es nicht schon erlebt: Ein Powerbar oder Gel im richtigen Moment kann Wunder wirken. Und wer wollte nicht schon einmal sein Rad an den berühmten Nagel hängen, weil er vergessen hatte, einen Stengel einzustecken und deshalb entkräftet am Straßenrand eine schlechte Figur machte?

Für Menschen, die sich nicht ausgewogen ernähren können, etwa weil sie auf Kantinenessen angewiesen sind, macht eine Vitamin-Tablette ebenfalls durchaus Sinn. Auch Altmeister Beat nimmt am Ende des Winters, wenn er lange keine Sonne, und schon gar keine mallorquinische Sonne mehr gesehen hat, während eines Monats einen Multivitamin- und Mineralstoff-Komplex namens Pharmaton. "Das kann zumindest nicht schaden", meint er, und das Mittel gibt es übrigens in spanischen Apotheken wesentlich günstiger als bei uns zu Hause.

Die anhaltenden Doping-Meldungen aus dem Profi-Lager sehen wir differenziert: "Da geht es ums Geld, wir fahren aus Freude Rad." Und bekanntlich kennt die Phantasie der Menschen auf der Jagd nach dem bedruckten Papier ebenso wenig Grenzen wie auf der Suche nach einer geeigneten Ausrede, wenn wieder einmal eine Attacke von uns am Berg erfolgreich gekontert wurde. (Eure Meinung zum Thema Doping interessiert uns: Schreibt sie doch mal ins Forum!)

 


Beat beim medizinischen Check vor seinem letzten Race-Across-America-Start.

 


Das Team T-Mobile anlässlich der Vuelta a Mallorca in unserem Speisesaal: Eine ausgewogene Ernährung ist im Radsport unabdingbar.

 


Die Lieblingsbeschäftigung von Beat im Café Schwarzwald in Paguera.

 


Die Sportgruppe angeführt von Beat beim Anstieg nach Calvià.

 


Dieses Jahr neu bei Philipp's Bike Team im Radsportpaket und beim Marathon: ein Powerbar.

Beats Fazit: "Viel Schlaf, viel und vor allem richtiges Training, dann kommt die Leistung automatisch."

Für alle anderen gilt: Wir müssen nicht unbedingt als Erster den Berg hochfahren. Es reicht völlig, wenn wir theoretisch wissen, wie es geht.

Damit auch die Praxis klappt und wir unserem Körper etwas Gutes tun, geben wir Euch im nächsten Infoletter ein paar Tipps, wie man fit durch den Winter kommt. So viel schon mal vorweg: Bei Philipp's Bike Team kann man das ganze Jahr über trainieren, nicht nur während der Saison.

Vielleicht sehen wir uns also schon, bevor die neue Saison 2006 beginnt.

So oder so bis bald,

Euer Philipp

(Das Philipp's Bike Team freut sich immer über Eure Post - mailt an team@radferien-mallorca.com)

Alle Mallorca-Fotos 2005 sowie Bilder der Pyrenäen-Rundfahrt und der Fernfahrt Basel-Mallorca findet Ihr hier.


Der Marathon ist für jeden eine Herausforderung. Hier am Puig Major in der üblen Rampe nach dem malerischen Stausee Georg Blau.


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