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Philipp's Bike Team News:

Infoletter Nr. 83

Montag, 24. September 2007 21:43

Brägels Start beim Philipps Bike Team - Rad WM Vorschau von Jürgen Löhle



Fast karibisches Flair in St. Elm

 Liebe Gäste, und Freunde des Philipp’s Bike Team,

ich lernte den Journalisten Jürgen Löhle auf der ersten Pressekonferenz anlässlich der Gründung des Philipp’s Bike Team im Februar 1998 kennen. Seit dem ist ein jährliches Treffen auf Mallorca gute Tradition geworden und mittlerweile sind der Schreiber und das Team gute Freunde geworden . Was lag also näher, als den Autor der Rad-Kultfigur Brägel (monatliche Kurzgeschichte im Radmagazin Tour) zu fragen, ob er Lust hätte am Philipp’s Bike Team Infoletter mitzuwirken?

Nach seinem Ja dürfte der Spass- und Genussfaktor beim Lesen unserer Infoletter erheblich steigen. Wer Brägel übrigens näher kennen lernen will, dem sind seine beiden Bücher empfohlen. "Normale Härte" und "Kurz und flach" sind in Deutschland im Delius-Klasing-Verlag erschienen. Ein dritter Band von Jürgen Löhles Brägel erscheint im Frühjahr 2008.

Euer Philipp

 




 

Liebe Radfahrerinnen und Radfahrer

Mein Gott, waren das grausame Aussichten. Da hat man nun Urlaub, es ist gerade mal Anfang September und der Wetterbericht für Deutschland meldet humorlos für die ganze Woche 12 Grad, Regen, Wind und überhaupt. Gerettet hat mich in diesen Tagen zum einen mein Hündin Emma, die bei einem Selbstmord ihres Besitzers alleine hätte Gassi gehen  müssen und ein Anruf bei Philipp, der wieder mal so lange alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, bis doch noch ein Zimmer im Jardin del Sol frei war. Einen Flug gab es dann auch noch, ein Rad von Bumi und danach vier herrlich entspannte Tage auf einer Insel, auf der es, kein Witz,  im Schnitt 18 Grad wärmer war als zu Hause. Und trocken sowieso.

 


Jürgen und Philipp auf der Hotel Terrasse im Jardin del Sol.

Ich kenne Philipp und sein Team ja schon seit der Gründung 1998, ich war jedes Jahr mal da, aber immer im Februar. Das ist eine schöne Zeit, die ersten warmen Sonnenstrahlen und die ersten Saisonkilometer, aber Mallorca im Sommer hat auch was. Endlich kannst du einmal mehr als den großen Zeh ins Meer halten ohne eine Blasenentzündung zu bekommen, die Straßen hinter dem Kreisverkehr Richtung Calvia sind genau so leer wie im Frühling und nach der Abfahrt von Galilea hinunter nach Puigpunyent musst du im Cafe an der Ecke keine heißen Tee trinken, weil es dich einfach nicht friert bei knapp 30 Grad im Schatten. Form gibt’s obendrein und dazu noch abends Rioja auf der Terrasse, im T-Shirt und mit Meerblick. So lässt es sich leben.

 


Herbstimpressionen der besonderen Art mit Andy


Was ist anders als im Frühling? Z.B. stehen alle Gäste auf dem Abfahrtsplatz im Schatten!

Derart gestärkt war ich natürlich ziemlich erfreut, als ich zu Hause eine Einladung von der Rad-WM in Stuttgart bekommen habe. Darin hieß es, dass Journalisten einmal den WM-Kurs abfahren dürfen, mit Polizeieskorte und allem, was sonst noch so dazugehört. Natürlich wollte ich dabei sein, Männer wollen ja immer überall mitmachen, ohne vorher lange nachzudenken, ob dass denn überhaupt gut für sie ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich meine – die Zahlen sind schon hart. In Stuttgart werden exakt 267,4 Kilometer gefahren , das ganze gespickt mit ungnädigen 5680 Höhenmetern,  was nichts anderes heißt, als  dass auf die Profis am 30. September einer der härtesten Kurse seit Jahren wartet, ganz ähnlich dem von Lugano 1996 (Sieger: Johann Museeuw). Es wird also eher kein Rennen für Sprinter, sondern was für Eintagesspezialisten mit Bergqualitäten, also für Jungs wie Paolo Bettini, Fränk Schleck, Davide Rebellin, Stefan  Schumacher und, wenn er nach dem Zeitfahren noch Kraft hat, auch für Fabian Cancellara.  Wenn es Sprinter schaffen sollten, doch bis zum Schluss dranzubleiben, dann wohl nur Oscar Freire oder Erick Zabel. Tom Boonen ist zu schwer, die anderen Verdächtigen (McEwen, Petacchi) zu lau am Berg.

Lau am Berg - damit wären wir wieder bei mir. Ich meine, wer sich irgendwo zwischen Genießer und Roller einordnet, sollte eigentlich keinen WM-Kurs fahren, auch wenn der Journalisten-Test nur eine Runde (19,1 Kilometer, 406 Höhenmeter) lang war. Aber da auch Kollegen am Start standen, war von Anfang an klar, dass es zu einem Rennen kommen wird, wie immer, wenn mehr als ein Mann einen Berg vor sich hat. Und so kam es dann auch.

Nun denn, nach gemütlichem Start an der Stuttgarter Messe, nach zwei Kilometern leicht bergauf und einer  schnellen Abfahrt Richtung Stadtmitte geht es plötzlich rechts weg in den Herdweg – 700 Meter bergauf, nie unter zehn Prozent, in  der Spitze 13. Keine Kurve, bolzengerade nach oben, wie ein Kirchdach. Vorneweg die Polizei, die auf ihren dicken BMWs fast „umhagelt (schwäbisch für umfallen), weil wir doch sehr langsam sind. Hinter den Motorrädern krachen Schaltungen und pfeifen Bronchien. Das Keuchen der Männer findet eine Horde Schulbuben auf dem Gehweg superlustig. Die Jungs schlendern gerade nach Hause und werden ihren Mamas erzählen, dass sie alte Männer mit roten Köpfen gesehen haben, die auf Fahrrädern versucht haben, Polizisten zu jagen.

 


Jürgen alias Brägel beim Testen der WM-
Strecke in Stuttgart.
(Foto: Jürgen Burkhardt)


Oben jappst die Pressmeute überm Lenker und sagt intelligente Sachen, wie: Hier wird es keinen Zufallsweltmeister geben. Sicher nicht, aber auch das war schon vorher klar, dafür hätte ich mir nicht die Lunge aus dem Leib radeln müssen. Wie auch immer - danach geht es leicht wellig weiter, eben ist es nie, und dann kommt die zweite Rampe hinauf zum höchsten Punkt der Strecke, dem Birkenkopf. Der zweite Anstieg ist nicht so steil wie der Herdweg aber länger, so ähnlich wie das Pässchen  zwischen Capdella und Andratx. Nicht wirklich böse, aber wenn du das 14-mal hochdrücken musst und in der letzten Runde wahrscheinlich als echten Kraftsprint dann pfeift auch der Profi-Muskel.


Der Kälte entflohen geniessen wir den Ausblick auf die Bucht von St. Ponca und  vergnügen uns an den Leckereien vom endlosen
Buffet.


Bei mir pfeifen die Bronchien wie ein alter Wasserkessel von Ikea, aber jetzt darf ich die Konkurrenz natürlich nicht fahren lassen, das gäbe 20 Jahre Häme. Mindestens. Der Tacho zeigt 14, der Pulsmesser ALARM und  ich verfluche den Tag, als ich die Einladung angenommen habe. Aber dann  sind wir doch oben, ich doch leider mit leichtem Rückstand. Von da an geht es mit Ausnahme der leicht ansteigenden Zielgerade aber nur noch bergab. Kurz vor dem Ziel bekommen die Journalisten in einer Gartenwirtschaft Tellerschnitzel und Pressemappen. Und nach einer halben Stunde Rast bin ich auch schon wieder obenauf. Auch wieder typisch Mann – gerade noch dem Herztod entgangen  und schon wieder dicke Backen machen: Aber so sind wir halt, das muss an den Genen liegen. Fazit: Es wird eine prügelharte WM geben, sollte es regnen auch noch eine gefährliche, weil es ständig Auf und Ab geht und die Strecke nahezu komplett von Bäumen gesäumt wird. Und das bedeutet – Laub auf der Straße.  Im Übrigen denke ich auch, dass das Rennen erst in der letzten Runde entschieden wird. Entweder am steilen Herdweg, wer da mit einer Minute Vorsprung im Finale drüber kommt, schafft es solo bis ins Ziel, oder eben am letzten Anstieg zum Birkenkopf.  Einen Massensprint halte ich für ziemlich unwahrscheinlich.

Den gibt es ja auf den letzten 200 Metern vor dem Hotel in Costa Calma auf der Ehrenrunde auch nicht. Aber dafür viel entspanntes radeln, wenn ihr wollt bis zum 22. Oktober. Und das hat natürlich auch was. Kein Regen,  kein Laub, keinen Herbst, einfach nur fahren. Würde ich auch gerne, vor allem meine Gourmetrunde. Locker nach Sant Elm, am Ende der Hauptstraße ins linke Restaurant und dort Garnelen in Knoblauchsoße, Brot, ein paar Oliven und ein Glas Weißwein bestellen. Das ganze mit Karibik-Blick – einmalig, echt. Ich bin dann wieder im Februar dabei.


Bis dahin

Jürgen

 


St. Elm: Hier möchte ich bleiben...



 


 
 
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